Heimersdorf - AF

Vorwort:

Wenn man wie ich in der Ferne (Ulm) wohnt, entwickelt man ein etwas anderes Heimatgefühl, als die in Köln oder sogar in Heimersdorf Gebliebenen. Da zudem der 40. Jahrestag der Gründung vom Bauabschnitt AF schon vergangen ist und als Ergänzung zum Heimersdorfbuch, was 1998 herausgekommen ist, habe ich hiermit vor, etwas zur Vergangenheit von AF beizutragen. Die "Alten" werden sich an vieles noch erinnern, aber die neueren Bewohner bekommen so einen Einblick in ihr Viertel.

Vorgeschichte:

Im Zuge der Wohnungsknappheit nach dem Krieg durch Zerstörungen und Flüchtlingsströme aus dem Osten, war ein erheblicher Bedarf an Wohnungen entstanden. Dieser konnte nicht alleine durch den Wiederaufbau der alten Bausubstanz gedeckt werden, sondern es wurden neue Wohnquartiere auf der grünen Wiese benötigt. Schon 1946 wurden in Köln die ersten Konzepte für den Wiederaufbau der Stadt Köln erstellt und erst 1968 war diese Aufbauphase mit der Aufhebung der Wohnraumbewirtschaftung für den öffentlich geförderten Wohnungsbau beendet.

Die Planungen für die "Neue Stadt" im Kölner Norden reichen bis 1922 zurück und wurden um 1950 wieder aufgenommen. 1957 entstand ein realistischer Stadtplan und so wurde mit dem ersten Teilabschnitt Heimersdorf begonnen. Die Bauzeit war von 1961 bis 1964. Im Rahmen der Stadterweiterung im Kölner Norden wurde ein ehemaliger, der Kirche gehörender Acker (Kornfeld) als Bauabschnitt AF für die Bebauung auf Erbpachtbasis erschlossen.

Lage:

Der Grundriss des Bauabschnitts AF entspricht annähernd einem Rechteck mit einer Fläche von etwa 120000 Quadratmetern. Die beiden unten abgebildeten Karten zeigen links die alte Version mit Feldern und dem nach Lindweiler durchlaufendem Stallagsweg und rechts die heutige bebaute Version mit der S-Bahn hinter dem Bahndamm verlaufend. Begrenzt wird AF durch die Straßen Stallagsweg im Norden, Volkhovener Weg im Osten, der Johannes-Albers-Straße beziehungsweise der Gärtnerei im Süden und dem schräg verlaufendem Bahndamm im Westen.







Im Gegensatz zu anderen Bauabschnitten Heimersdorfs befinden sich hier nur Einfamilienhäuser. Die einzige durchlaufende Straße ist die Johannes-Albers-Straße. Durch sie verläuft der meiste Anliegerverkehr. Auch der Stallagsweg wird im Gegensatz zu früher nur noch für den Anliegerverkehr benötigt. Zusätzlicher fremder Personenverkehr wird über diese beiden Straßen und die Laurentius-Siemer-Straße für den Kindergarten abgewickelt. Sonst gibt es nur noch zwei Stichstraßen mit Wendehammer (Laurentius-Siemer-Str. und Pater-Dionysius-Str.). Zu vielen Häusern gelangt man lediglich über Fußwege. Daher ist zwar nicht jedes Haus direkt mit dem Auto erreichbar, aber die Wohnqualität wird durch erheblich weniger PKW-Verkehr direkt an den Häusern vorbei, gesteigert. Obwohl die Bahn direkt hinter dem Damm entlang läuft ist je nach Wohnlage mit einer, wenn aber nur kurzen Geräuschbelästigung zu leben. Dabei ist die Belästigung von der Bundesbahnlinie nach Neuss, die um 1856 entstand geringer, als die der S-Bahn (S11), die nach mehrjähriger Bauzeit (ab 1972) am 1.6.1975 in Betrieb genommen wurde. Die Hochspannungsleitungen im Norden der Siedlung, die von drei auf zwei Leitungsführungen verringert wurden, haben keinen störenden Einfluß auf die Siedlung, auch wenn sie von den Häusern am Stallagsweg gut einzusehen sind.

Die folgende Luftaufnahme vermutlich um 1965 entstanden, zeigt ganz AF.




Bebauung:

Ganz in der Tradition von DEWOG für familiengerechtes Wohnen, war in AF außer Eigenheimen und einem katholischen Kindergarten ursprünglich auch eine Kirche geplant. Die Ursula-Kuhr-Schule, für die AF-Kinder wurde recht bald AF gegenüber am Volkhovener Weg erstellt (Luftaufnahme unten rechts). Schon ab 1955 gab es eine Einkaufszeile am Volkhovener Weg/Stallagsweg. Auch die fünf Doppelhäuser nördlich vom Stallagsweg waren ein paar Jahre zuvor schon errichtet worden und gehören nicht zum Bauabschnitt AF. An der Ecke Stallagsweg/Volkhovenerweg, wo sich jetzt ein Doppelhaus mit Praxis und Parkplatz befindet, war früher eine ESSO-Tankstelle (Ebel). Der heutige Parkplatz wurde zeitweise, als Endstation für den KVB-Bus benutzt. Um den Bussen das Einfädeln in den Verkehr zu erleichtern, wurde die Vorampel am Stallagsweg angebracht und sie steht bis heute da. Früher, als es die S-Bahn noch nicht gab, ging der Stallagsweg direkt Richtung Lindweiler, etwa dem Verlauf des Fußwegs nach, auf dem auch der städtische Bus Linie 41 fuhr. Wo sich jetzt das Ende der Fußgängerbrücke befindet, gab es zur Anfangszeit einige Male im Jahr auf einem dort vorhanden Platz Kirmes. Die Wendefläche vor dem Platz nutzte die KVB als Bus-Endstation. Unabhängig davon war vor der Linie 41 die Buslinie 28 vom Kaiser-Wilhelm-Ring über Butzweiler Hof, Longerich, Stallagsweg, Weiler bis nach Roggendorf die erste Verbindung zur Innenstadt. Der Bahndamm ca. 8 Meter hoch, hinter dem heute die S-Bahn fährt sollte eigentlich als Trasse für die S-Bahn gelten, die man früher als Hochbahn Richtung Chorweiler fahren lassen wollte. Dies wurde jedoch durch eine Bürgerinitiative verhindert, da zu Recht mit einer großen Lärmbelästigung zu rechnen gewesen wäre und besonders die Anwohner am Bahndamm hätten darunter zu leiden gehabt. So konnte der Bahndamm von uns Kindern zum Spielen benutzt werden. Und wenn man dann oben in den Spitzen der Pappeln stand, sah man über einen Teil des Wohngebietes herab. Besonders erfreulich ist, dass es bei der Planung gelungen ist die Häuser mit ihren Wohnzimmer bzw. Garten in den meisten Fällen in Süd- oder Südwest-Lage auszurichten. Das Luftkima ist, da meist Südwestwinde vorherrschen und die chemische Industrie im Osten liegt gut. Da wie damals üblich eine autofreundliche Siedlung mit vielen Parkplatzflächen und großen Garageneinheiten geplant wurde, sind weite Flächen versiegelt. Wenn man sich eine Senkrechtluftaufnahme von heute ansieht und dann die Straßen, Plätze und Dachflächen zusammenrechnet, fällt trotz der Gartenflächen der große Anteil bebauter Flächen auf.

Die Baubetreung hatte die DEWOG und die Bauausführung lag bei der BLIVERS-Baugesellschaft. Die Entwürfe stammten auch von Dipl.Ing. Wolfgang Schmidtlein, der schon in der Katholikentagssiedlung mitwirkte. Der Grundstein wurde am 25.5.1962 unter Mitwirkung von Pfarrer Heinrich aus Weiler am Volkhovener Weg 143 gelegt. Es wurden vier verschieden Typen von Einfamilienhäusern erbaut. Die Vermessungen hatten schon am 4.4.1962 begonnen daher waren zur Grundsteinlegung schon 40 Häuser in Bau. Gebaut wurden alle Häuser in Leichtbeton-Schüttbauweise mit verschiedenen Betonmischungen. Dazu wurden zuerst Standardschalungen aufgesetzt in die der Beton gegossen wurde und nach der Aushärtung konnten die Schalungen für das nächste Haus verwendet werden. So war eine schnelle und rationelle Bauweise möglich. Dabei wurden beim Gießen Türzargen und die Leitungen für sanitäre Installationen mit eingegossen, wodurch ein nachträgliches Aufstemmen der Wände entfiel. Auch hielt man die Fensteröffnungen vom Beton frei. Außer bei den Bungalows wurden bei den Reihenhäusern im Kellerbereich auf die doppelte Trennwand zwischen den Einzelhäusern verzichtet, was natürlich für den Schallschutz zum Nachbarn nicht so günstig ist. Alle Häuser haben schwach geneigte (12° bzw. 8°) Sattel- und Pultdächer mit aufgeschraubten Eternitplatten. Sie waren mit Einbauküchen und außer in Küche und Bad mit Linoleumfußböden auf schwimmendem Estrich ausgestattet.

Um die Arbeiten zu beschleunigen wurde auch die ganze Zeit mit einem fahrbaren Kran gearbeitet (Abbildung).




Der Einzug der neuen Bürger erfolgte zwischen Ende 1963 und Ende 1964. Vermutlich um Diebstahl und Unfälle zu verhindern, war die ganze AF-Baustelle bis zu den ersten Einzügen komplett eingezäunt. Daher konnten nur die Spätsiedler ihr neues Haus im Bauzustand besuchen und auch fotografieren.

Haustypen:

Es wurden vier Reihenhaustypen erstellt, die im Einzelnen vorgestellt werden.

Bungalow




Der Vorläufer des Bungalows wurde 1959 von der DEWOG in der Bruder Klaus Siedlung in Köln-Mülheim mit Grund- stück für 44000DM angeboten. Er war allerdings ohne Keller, Dachüberstand und Eingangsvorbau. Der Eingang erfolgte in der heutigen Essdiele und es gab Gas-Raumheizungen mit Außenkaminen. Die Ausführung war erheblich einfacher und wurde daher in Heimersdorf den neueren Standards angepaßt. Auch Vorläufer der zweigeschossigen Typen sind dort gebaut worden. Der Bungalow ist außen mit Betonplatten von 30 mal 30 cm verkleidet, die weiß gestrichen sind. Um den Preis zu halten, verzichtete man bei den Bungalows am Stallagsweg auf die Schlagläden, da hier die Gartenmauern länger wurden, als bei der verschachtelten Bauweise am Bahndamm. Die Anker in den Wänden benutzten viele Eigentümern dann später für die Befestigung der Fenstergitter. Weil das Haus sehr in die Breite gezogen wirkt, bekam es auch die Bezeichnung Teppichhaus.




Bei dem Bauplan handelt es sich um ein Haus, was nicht in einer Reihe steht, bei dem wäre das Kinderzimmer-2-Fenster nach vorne ausgerichtet. Die beiden Kinderzimmer sind für insgesamt 4 Kinder vorgesehen. Grundsätzlich folgt die Deckeninnenhöhe der Dachneigung und das Haus gibt es je nach Bauplatz auch in spiegelverkehrter Version. Die Terrasse ist durch das Dach teilüberdacht. Neben dem Eingang befindet sich ein Kabuff für z.B. Gartengeräte. Vom Windfang gelangt man auch in das GästeWC und den Keller. Zwischen Essdiele und Küche befindet sich statt einer tragenden Wand ein weißer Einbauschrank, der von beiden Seiten zugänglich und mit einer Durchreiche versehen ist. In der Ecke neben der Tür läuft im Bad der Kamin vom Heizungskeller zum Dach. Es gibt Zentralheizung mit einem Ausgleichshochbehälter in dem eingebauten Abstellschrank im hinteren Flur. Warmwasser für Bad und Küche wird von einem elektrischen Durchlauferhitzer erzeugt. Die Lichtschächte im vorderen Teil zeigen, dass sich hier der unterkellerte Teil des Hauses befindet. Der Wohnraum hat immerhin eine Größe von 24qm.

Reihenhaus klein Typ IV

Auch die zweigeschossigen Haustypen haben ihre Vorgänger. So ist ein großer Teil dieser Gebäude ab 1956 in der Katholikentagssiedlung in Köln-Longerich entstanden. Zum Zeitpunkt, in dem AF erstellt wurde sind teilweise schon über 1000 Einheiten erstellt worden. In der Anfangszeit waren alle Häuser außen verputzt und mit Ockerfarbe (gelb) angestrichen.




Obwohl diese Reihenhäuser mit 96 qm die kleinste Fläche haben, sind sie mit zwei Kinderzimmern für drei Kinder vorgesehen. Diese liegen, wie am Grundriss zu erkennen, im Obergeschoß in dem sich auch das Elternschlafzimmer und das Bad mit Wanne befinden. Der kleine Balkon vor dem Elternschlafzimmer, diente wohl mehr der optischen Auflockerung des Gebäudes, da man lieber in den eigenen Garten geht, als sich oben aufzuhalten.







Wenn man das Haus unter dem schützenden Dach betreten hat, befindet sich rechts ein GästeWC, das auch nicht nur bei diesem Häusertyp als Ausweichmöglichkeit für die maximal fünfköpfige Familie vorgesehen ist. Nach vorne sieht man in die Küche, die mit einer Küchenzeile, Speiseschrank und Besenspind ausgestattet ist. Die linke Hälfte des Gebäudes teilt sich auf in Esszimmer und Wohnzimmer zum Garten hin. Zwischen beiden Zimmern befindet sich ein offener Durchgang. Dieser Typ wurde auch später noch zum Beispiel in Lindweiler erstellt. Hier befand sich allerdings die Küche im vorderen Teil, wo hier das Esszimmer liegt und das Wohn-Esszimmer lag quer zum Haus an der Gartenfront.

Grundsätzlich war dieses Haus für Einzelzimmerheizung vorgesehen aber wurde auf Sonderwunsch mit Zentralheizung ausgestattet. Wie bei anderen Haustypen auch, mußten die Sonderwünsche immer direkt bar bezahlt werden.

Reihenhaus mittel TypXII




Typ XII hat im oberen Stock von vorne eine Holzvertäfelung. Wie aus dem Plan zu erkennen ist, wurden immer wieder von der Dewog kleine Veränderungen an den Häusern vorgenommen. Auf dem Bild ist im oberen Geschoss nur ein Doppelfenster zu erkennen, obwohl in den Plänen drei Doppelfenster, die auch früher eingebaut waren, vorgesehen sind; es gibt auch Versionen ohne Fenster. Warum allerdings jetzt nur noch das Bad Außenlicht von vorne bekommt ist nicht bekannt. Auch dieses Gebäude ist mit zwei Kinderzimmern für fünf Personen gedacht.







Vom geschützten Eingang betritt man die Diele mit offenem Treppenaufgang von dem aus nach rechts in eine große Wohnküche kommt und vorne zur Gartenfront das Wohn- und Esszimmer liegen. Am Ende der Diele, die mit Glasscheiben in einer Holzverstrebung erhellt wird, befinden sich links ein GästeWC und der Eingang zum vorderen Kinderzimmer. Das obere Stockwerk hat zum Garten hin eine kleiner Grundfläche als die Parterre und daher gibt es hier nur noch zwei große Zimmer. Das Kinder- und Elternschlafzimmer haben ihre Fenster zum Garten und im vorderen Bereich befindet sich das Bad. Die Fenster von Diele und Kinderzimmer nach vorne fehlen. Bei allen Häusern fällt auf, dass Kinderzimmer mit mehr als 10 Quadratmetern für zwei Kinder vorgesehen waren. Da aber dann die Zimmer doch sehr zugestellt waren, gingen manche Familien dazu über Doppelhochbetten aufzustellen. Auch die damalige Kindergeneration zog es ab einem gewissen Alter vor im eigenen Zimmer alleine zu wohnen und so verschwand manch einer ganz oder zum Teil in einen der Kellerräume. Die von den Planern vorgesehene Waschküche wurde durch Waschmaschine und später auch Trockner ja doch nicht wirklich benötigt. Gerne wurden die Kellerräume auch für Feiern kurzfristig oder auch für immer in Party/Fetenräume mit "eigener" Bar umgebaut.

Reihenhaus gross TypVIII




Dieser Haustyp ist mit 133 Quadratmetern der größte der Siedlung. Die Tatsache, dass er immerhin 23 mal hier gebaut wurde, zeigt den kinderfreundlichen Grundgedanken bei den Planungen des Bauabschnitts AF. Wohnzimmer und Esszimmer haben mit zusammen 36 Quadratmetern für die damalige Zeit und besonders den sozialen Wohnungsbau große Ausmaße. Allerdings relativiert sich das, wenn man weiß, dass dieses Haus mit drei Kinderzimmern für sechs Kinder und zwei Erwachsenen für also insgesamt acht Personen vorgesehen war. Heute leben in solchen Häusern oft nur vier Personen. Erstaunlich ist, dass eine Zentralheizung nicht standardmäßig eingebaut war, aber so konnten die Erwerbskosten auch für große Familien niedrig gehalten werden.




Vom geschützten Eingang über dem sich die eigentlich überflüssige Loggia befindet, betritt man die Diele mit dem gemauerten Treppenaufgang. Durch die Loggia und den nach innen versetzten Eingang wirkt die Reihenhausfront von außen angenehm aufgelockert. Eingerichtete Küche und GästeWC befinden sich rechts und ein Kinderzimmer liegt links von dem Dielenbereich mit dem Fenster nach vorne. Quer zum Haus am Garten befinden sich Wohn- und Esszimmer. Im oberen Stockwerk liegen zwei weiter Kinderzimmer und das Elternschlafzimmer. Der Sanitärbereich ist hier anders als bei den anderen Haustypen aufgeteilt. Das WC ist getrennt von dem reinen Badzimmerteil und zusätzlich gibt es einen Abstellraum, der auch als Umkleidekabine benutzt werden kann.




Der Keller ist mit über 80 Quadratmetern der standardmäßig größte, wobei wie bei den meisten Häusern mit Ölheizung ein Raum für den Tank beziehungsweise damals für die Kohlen benötigt wird.

Zusammenfassung der vier Häusertypen:

Haustyp /

Eigenschaft

Bungalow

VII

Reihenhaus

IV - klein

Reihenhaus

XII - mittel

Reihenhaus

VIII groß

Wohnraumgesamtfläche

105 qm

96 qm

116 qm

133 qm

Umbauter Raum

580 cbm

500 cbm

660 cbm

730 cbm

Zimmer unten (ohne KBG)

5

2

3

3

Zimmer oben (ohne KBG)

0

3

2

3

Küche und Bad (KB)

ja (u/u)

ja (u/o)

ja (u/o)

ja (u/o)

Gästetoilette (G) unten

ja

ja

ja

ja

Balkon (1. Stock)

nein

ja (hinten)

nein

ja (vorne)

Kaufpreis mit Grund *

Gebäudekosten

80 600 DM

42 500 DM

57 300 DM

35 000 DM

76 800 DM

47 340 DM

79 000 DM

50 800 DM

Unterkellerung (Standard)

halb

voll

voll

voll

Zentralheizung (Standard)

ja

nein

nein

nein

Bodenbelag (Standard)

Linoleum

Linoleum

Linoleum

Linoleum

Kellerzugang vom Garten

nein

ja

ja

ja

Gartenabgrenzung

Mauer

Zaun

Zaun

Zaun

Anzahl in AF

47

57

11

23

* Hier sind die Preise für einen anderen Bauabschnitt mit Grund für etwa ein Jahr früher erstellt angegeben. Sie sind daher nur bedingt mit den Preisen von AF vergleichbar. u=unten / o=oben

Ursprünglich war wie in Heimersdorf für AF Fernwärme vorgesehen, aber vielleicht auch wegen der größeren Entfernung zum Heizwerk, wurde AF nie an das Wärmenetz angeschlossen.

Die Bewohner am Bahndamm müssen auch für diesen eine Pacht bezahlen.

Zusätzlich gibt es in etwas anderem Baustil einen Gebäudekomplex am Ende der Laurentius Siemer Str., in dem sich der Arzt und zwei Geschäfte (Radio und früher Lebensmittel (Tillmann)), sowie drei Wohnungen befinden. Auf dem zuerst freigehaltenen Gundstücksstreifen an der Laurentius-Siemer-Str., auf dem eigentlich eine Kirche und der Kindergarten entstehen sollte, wurde recht bald der Kindergarten in Barackenbauweise ohne Keller errichtet. Lange Zeit war das Grundstück oberhalb am Volkhovenerweg frei. Schließlich 1980 entstanden hier die zweigeschossigen gelb verklinkerten Häuser, die nicht dem sonstigen Baustil der Siedlung entsprechen, mit 10 Reihenhäusern und 14 Garagen. Die Reihenhäuser haben 104 Quadratmeter Wohnfläche und wurden auf gekauftem Kirchenland errichtet. In der Nähe des Kindergartens gibt es noch einen kleinen Spielplatz. Die Transformatorstation für die elektrische Versorgung befindet sich in der Mitte der Pater-Dionysius Str.

Bevölkerung:

Das Bauland wurde von der katholischen Kirchengemeinde St. Dionysius Köln Longerich auf 99 jährige Erbpacht (Grundstückskaufkosten entfielen dadurch) zur Verfügung gestellt und die gebauten Eigenheime dann vom Siedlerverein (gegründet 1956) St. Cosmas und Damian Köln-Weiler an die neuen Eigentümer übergeben. Es wurde eine Auswahl von jungen Familien meist Angestellte mit mittleren Einkommen durchgeführt, die sich im Nachhinein für dieses Viertel als ideal herausgestellt hatte. Da im Schnitt zur Anfangszeit mit etwa mindestens zwei Kindern und zwei Erwachsenen pro Haus gerechnet werden kann, betrug bei 138 Familien die Gesamtbewohnerzahl wohl 550 Menschen davon 275 Kindern im ähnlichen Altersbereich, was für uns damals ideal war. Die Bevölkerungsstuktur hat sich in diesem Viertel sehr gut erhalten und so leben nicht nur die ehemaligen Neubürger als Rentner hier, sondern auch einige der nachfolgenden Generation haben sich hier wieder gerne niedergelassen. Allerdings ist die Anzahl der Kinder in diesem Viertel, nicht nur durch die allgemeine demographische Entwicklung zurückgegangen. Da heute im Schnitt jeder Haushalt mindestens einen PKW besitzt, ist die Anzahl der Autos im Gegensatz zu früher um mehr als das Doppelte gestiegen, was auch subjektiv in der Siedlung stark wahrgenommen wird.

Veränderungen:

In den letzten Jahrzehnten sind viele Häuser sowohl von innen als auch außen verändert worden. Zur Anfangszeit heizten noch viele mit Kohle, aber durch den dann immer günstigeren Ölpreis und den geringeren Aufwand für die Heizung, wurde vorwiegend auf Öl- aber auch vereinzelt Gasbefeuerung umgestellt. Nicht nur mit anderer Farbe wurden die anfänglich weißen/ocker Häuser optisch verändert, sondern im Zuge der teureren Energiepreise Einfachholzfenster gegen Doppelfenster ausgetauscht und die Häuser zum Teil verklinkert. In den letzten Jahren sind einige Häuser mit neuen isolierten Dächern versehen worden. Bei vereinzelten Gebäuden wurden bauliche Veränderungen durch größere Anbauten wie zum Beispiel Wintergärten, Wohnzimmererweiterungen oder Garagenanbauten durchgeführt. Ein Bungalow bekam ein Hallenbad und einer ein Freibad im Garten. Einige Bungalows hat man direkt oder später ganz unterkellert. Aber es gibt einige Häuser, die in ihrer Ursprungsform annähernd erhalten blieben. Die Gärten, die zwischen 250qm und 350qm groß sind, haben im Laufe der Jahrzehnte teilweise einen zu hohen Baumbewuchs bekommen, der nicht nur optisch in keiner Relation zu den kleinen Gärten steht, sondern auch für vermehrten Schatten in unmittelbarer Umgebung führt. Der Baumbestand auf dem Bahndamm hat sich in all den Jahren nicht groß verändert. Die öffentlichen Nahverkehrsbedingungen verbesserten sich erheblich durch den S-Bahn Anschluß am Unnauerweg/Volkhovener Weg der zusätzlich zu der Buslinie am Volkhovener Weg entstand. So dauert die Fahrt in die Innenstadt nur etwa 15 Minuten. Auch für die Autofahrer wurde die Strecke in die Stadt dank der in den 70er Jahre fertiggestellten Stadtautobahn und der später erstellten Auffahrt K-Chorweiler angenehmer. Im Zuge der allgemeinen Verkehrsberuhigung ist in den neunziger Jahren in AF Tempo 30km/h eingeführt worden.

Hinweise zu Bezeichnungen im Text:

DEWOG-Treuhand:

Deutsche Wohnungsgesellschaft mbH

Mevissenstr. 14; 50668 Köln; in 1965: Deutz; Adam-Stegerwaldstr. 9

Gründung 1.12.1950; Kapital (2003) 3,1 Mio Euro

Entstanden ist sie aus der "Christlichen Nothilfe" einer Vereinigung "christlich und sozial handelnder Männer", die sich die Linderung der Wohnungsnot zur Aufgabe gemacht hatte.

Die Dewog sieht ihre Aufgabe darin, das Erbe des Initiators Prälat Dr. Adam Stegerwalds (1874-1945) fortzuführen, der gesunde familiengerechte Wohnungen für die Bevölkerung schaffen wollte. Der christliche Gewerkschaftsführer lebte 20 Jahre in Köln und war nach dem ersten Weltkrieg zuerst Wohlfahrtsminister und dann Reichsarbeitsminister im Kabinett Brüning.

Die Stegerwaldsiedlung war das erste Bauvorhaben der Dewog. In den 60er Jahren war die DEWOG der größte Eigenheimpoduzent. In der ganzen Bundesrepublik entstanden 1960 41% aller Wohnungen in Einfamilienhäusern.

BLIVERS:

Baufirma

Mevissenstr. 14; 50668 Köln ; in 1965: Deutz; Adam-Stegerwaldstr. 9

Gründung 1948; Kapital (2003) 2,6 Mio Euro

Blivers entwickelte die kostensparenden Schüttbauweise (seit 1956), durch die gegenüber der herkömmlichen Bauweise die Gebäudekosten um 20% vermindert wurden. Ursprünglich wurde die Bauweise dazu benutzt um den Trümmerschutt, der nach dem Krieg in großem Maße vorhanden war, zu verwenden.

Bruder-Klaus-Siedlung (Mülheim):

Luzernerweg;Schönhauserstr.;Höhenhauser Weg

Stegerwaldsiedlung (Deutz-Mülheim):

Pfälzischer Ring;Ferdinantstr.;Deutz-Mülheimerstr.;Bundesbahn

Katholikentagssiedlung (Longerich):

Schlackstr.;Paul-Humburgstr.;Ossietzkystr.;Bundesbahntrasse;An der Ling

Heimersdorf:

Stallagsweg;Mercatorstr.;Autobahn;Bundesbahntrasse

AF:

Stallagsweg;Volkhovenerweg;Johannes-Albersstr.;Bundesbahntrasse

Grundsteintext (Auszug):

In der Zeit großer Wohnungsnot schlossen sich katholische Christen zur Siedlergemeinschaft Cosmas und Damian zusammen, um auf kirchlichem Grundstück aus christlicher Verantwortung für die Familie unter Förderung kirchlicher, städtischer und staatlicher Behörden den Eigenheimgedanken zu verwirklichen.

Namensursprünge der Strassen:

Stallagsweg: Ein alter geradliniger Handelsweg von der Neusser-Straße bis zur damaligen Stadtgrenze nach Pesch um 1900 verfestigt, erhielt er 1902 den Namen, der sich aus Stallachen (urkundlich erwähnt 1487 im Stift St. Kunibert) ableitet. Mit Lachen wird vermutlich ein ehemaliger Rheinarm bei Worringen vermutet. Aus hinter den Lachen - Stallachen soll ab 1818 eine Gemarkung "Am Sallag" abgeleitet sein.

Volkhovenerweg: Vom Ort Volkhoven (urkundlich 1337)

Johannes-Albersstr.: Johannes Albers (8.3.1890-8.3.1963), gelernter Schriftsetzer, 1919-1933 Sekretär der Christlichen Gewerkschaften Köln, ab 1924 Mitglied im Zentrum, politisch verfolgt ab 1944 für 5 Jahre verurteilt, ab 1945 Mitbegründer und Vorsitzender der CDU-Köln, Stadtverordneter (1924-1931;1945-1948), MdL (1948-1950), MdB (1949-1957), Vorsitzender der CDU-Sozialausschüsse und Förderung der Wohnungsbaugenossenschaften.

Laurentius-Siemer-Str.: Laurentius Siemer OP (Ordinis Praedicatorum - vom Orden der Prediger), Dominikaner (8.3.1888-21.10.1956), ab 1914 Priester, ab 1921 Leiter der Ordensschule der Dominikaner in Vechta, 1932-1946 Provinzialprior der Ordenprovinz Teutonia Köln, in NS-Zeit als Widerstandskämpfer mehrmals im Gefängnis, seit 1945 im Konvent des Klosters Walberberg und gestorben in Köln, Einsatz für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse.

Pater-Dionysius-Str.: Pater Dionysius OFM (Ordinsis Fratrum Minorum - vom Orden der Minderbrüder), Franziskaner (18.6.1874-9.1.1946), ab 1900 Priesterweihe in Paderborn, 1906-1912 Domprediger in Münster, ab 1912 dreißig Jahre lang Domprediger in Köln, 1914-1919 Divisionspfarrer und 1917 Betreuung deutscher Kriegsgefangener in der Schweiz, übte scharfe Kritik an der Verfolgung Andersdenkender während der NS-Zeit.

Nachwort:

Bei dieser Siedlung war es gelungen durch einfache gestalterische Mittel, wie kleine Balkone, versetzte Eingänge, Holzvertäfelung oder Windfang bei sparsamer Bauweise eine angenehme Wohnatmosphäre zu schaffen. Wenn auch die Verklinkerung vieler Häuser aus wärmeökonomischer Sicht zu befürworten ist, so entstellt sie die ursprüngliche äußere Fassade in eklatanter Form. Ähnliche Sünden wurden ja schon früher mit der Verkleidung von Fachwerkbauten begangen. Es ist immer eine schwierige Gradwanderung zwischen den individuellen Wünschen und dem Allgemeinbild einer Reihenhaussiedlung. Grundsätzlich sollte sich aber jeder im klaren darüber sein, dass hier nicht Einzelhäuser im freien Baustil gebaut wurden.

Im Großen und Ganzen ist jedoch die Siedlung "sehr gut in Schuß" und hat einen hohen Wohnwert.

Selbst an die Mauern der Bungalows hat man sich schnell gewöhnt und heute kann man sie sich nicht mehr wegdenken.

Glossar: (aus Stadtspuren S263ff)

LOGGIA: Bei Wohnhäusern ein offener, überdeckter Aufenthaltsraum, der hinter die Mauerflucht zurückspringt.

SATTELDACH: Beim Satteldach schneiden sich die beiden schrägen Ebenen in der Firstlinie. Die Fluchtlinien der Schrägen heißen Traufen, die an den Schmalseiten des Hauses entstehenden Dreiecke Giebel.

PULTDACH: Dach mit schräger Ebene, über die ganze Dachfläche verlaufend.

HAUSTYP: Wohnhaus mit typisierter Grundriß- und Aufrißgestaltung.

REIHENHAUS: Ein- bis zweiseitig angebundenes Wohnhaus, meist Einfamilienhaus

GESCHOSS: Ein durch Decken begrenzter Ausschnitt eines Gebäudes. Bei der Zählung der Geschosse wird das Erdgeschoss (Paterre) mitgerechnet, nicht aber das Kellergeschoss und das Dachgeschoss. Analog wird der Begriff Stockwerk (Stock) verwendet, wobei die Zählung der Stockwerke erst mit dem Erdgeschoss (1. Obergeschoss = 1.Stock) beginnt.

Als Quellen dienten: DEWOG-Unterlagen; Heimersdorfbuch 1998;

Stadtspuren, Kölner Siedlungen, Bachem 1988; Rundschau (26.5.62), Top.Karten, Befragungen, Internet, www.ursula-kuhr-schule.de, Liegenschaftsamt-Köln, Kirchenzeitung (Heimersdorf); Neue Stadt Köln-Chorweiler, Ludmann-Riedel, Krämerverlag 1967.



Ich möchte mich an dieser Stelle für die Hilfsbereitschaft der Personen bedanken, die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben.

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Ergänzungen:::


Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen:


Wie bei jeder guten Stadtplanung üblich, wurden sich auch für AF Gedanken darüber gemacht, wie die Bürger von AF mit Infrastrukturleistungen zu versorgen sind. Zu den Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen zählt alles, was zum Leben in einer Stadt zusätzlich zum Wohnen benötigt wird. Das sind in erster Linie Geschäfte zum Einkaufen des täglichen Bedarfs und Ärzte, aber auch Kindergarten, Schule, Spielplatz, Sportanlage/Schwimmbad, Tankstelle und im weiteren Sinne auch Kirche und Krankenhaus. Ursprünglich war in Chorweiler bei Fühlingen ein Krankenhaus geplant, was genau so wie die Kirche in AF nicht erstellt wurde. Ein Hallenschwimmbad befindet sich in Chorweiler und Sportanlagen bei der Ursula-Kuhr-Schule. Eine Mini-Spielplatz, der aber nie angenommen wurde, liegt neben dem Kindergarten. Der beste Spielplatz war früher ohnehin außer der Straße (Fußball, Hockey, Radrennen u.a.) der Bahndamm mit der Möglichkeit zu klettern, Bretterbuden zu bauen und zu buddeln. Früher gab es zwei Tankstellen bei AF. Eine ESSO auf der Ecke Stallagsweg/Volkhovener Weg und die andere bei der Gärtnerei am Volkhovener Weg, die auch heute noch in Betrieb ist. Wie üblich sind die Grund/Haupt-Schulen (früher Volksschulen) in Städten am häufigsten vertreten und meist fußläufig in den Wohngebieten verstreut errichtet. Die Ursula-Kuhr-Schule, die heute von den Kindern besucht wird, war erst seit September 1965 kurz nach Beginn des Schuljahrs 1965/66 in Betrieb und startete mit 740 Schülern. Vorher ab 9.9.1964 fand der Unterricht in der völlig überfüllten ”roten” Schule am Lebensbaum statt. Um dem Ansturm überhaupt Herr zu werden hatten wir Kinder im Wechsel auch nachmittags Schule und es waren auf dem Schulhof vier ”Fliegende Klassenzimmer” in Form von zwei Baracken errichtet worden. Kinder die schon Anfang 1964 in AF eingezogen waren, mußten noch in die alte Volksschule in Volkhoven gehen, in der sich am 11.6.1964 das schwere Brandattentat ereignete. Weiterführende Schulen (Realschule, Gymnasium, Gesamtschule) liegen im Kölner Norden und sind für die AF-Kinder mit Bus oder Rad leicht zu erreichen.

Der große Vorteil von AF war, dass hier keine Geschäfte neu geplant werden mußten, da es schon die Ladenzeile am Volkhovenerweg gab. Sie war schon 1951 in Bau und Mitte der 50 Jahre gab es bereits ein reichhaltiges Angebot von Geschäften. Als AF Anfang 1965 komplett bezogen war, befanden sich dort die folgenden Geschäfte: Metzgerei (Müller/164), Modegeschäft (Antoni/166), Bäckerei (Kraus/168), Haushaltwaren (Garrecht/168), Schreibwaren (Bansmann/170), Lebensmittelgeschäft (Tillmann/172), Modegeschäft (Heinen/174), Gaststätte (Welter/176). Zusätzlich kaufte man in dem Lebensmittelgeschäft (EDEKA) der Eheleute Klein auf der Ecke Volkhovener Weg/Stallagsweg ein. In AF selbst wurden zwei Geschäfte und ein allgemeiner Arzt (Dr. Reuter) in einem Gebäudekomplex mit den zugehörigen Wohnungen installiert. In die Geschäftsräume zog Tillmann und das Radiogeschäft von Familie Baum. Nach Tillmann gab es dort andere Geschäfte und heute befindet sich hier eine Wohnung. Weiter Ärzte gibt es mittlerweile in der Ladenzeile, die sich nach damals immer wieder inhaltlich geändert hat und an dem Platz der ehemaligen ESSO-Tankstelle.


Hausbauweise:


Da die Schüttbauweise der Firma Blivers AF Verwendung fand, folgt hier in Auszüge der Text eines Gutachtens des Instituts für Bauforschung/Hannover (aus Ludmann/Riedel):

Der Bau geschütteter Wände hat sich in den Jahren nach dem Kriege durch zunehmenden Einsatz von großflächigen Spezialschalungen, durch die Entwicklung zweckmäßiger Mischmaschinen und Transportgeräte, vor allem aber durch die Ausnutzung arbeitstechnischer und betriebswirschaftlicher Erfahrungen immer rationeller gestaltet. Die Produktivität im Schüttbeton hat von den ersten Veruchsbauten bis heute erheblich zugenommen. Die Schalungstafeln werden aus Blech hergestellt, in großen Flächen fest verbunden und entsprechend ausgesteift. Sie werden mit Hilfe des Kranes versetzt. Ein derartiges Verfahren hat auch die BLIVERS Baugesellschaft in Köln entwickelt. Die Vergleiche ergaben, daß die Gebäudekosten um etwa 20% vermindert werden konnten. Der Erfolg ist ist jedoch nicht einer Maßnahme alleine zuzuschreiben, sondern ist vielmehr auf die durch die große Serie ermöglichte Ausnutzung der Schalung, die optimale Auslastung der Baugeräte und den taktmäßigen Arbeitsablauf zurückzuführen. Es ist der gemäß DIN 4108 mindest erforderliche Wärmedurchlaßwiderstand bei allen Wänden und Decken erreicht worden. Ein ausreichender Schallschutz ist dadurch gewährleistet, daß die einzelnen Reihenhäuser durch eine Trennfuge voneinander getrennt sind. Die Außenwände der Wohngeschosse werden 30 cm dick aus Schütbeton (Lavalith-Beton) hergestellt. Die Schalung hierfür besteht aus 3mm dicken Stahlblechtafeln, die mit Winkelstählen ausgesteift sind. Die Verbindungen erfolgen mit Steckbolzen. Zur oberen Aussteifung von Fenster- und Türöffnungen und zur äußeren Begrenzung der Stahlbetondecke dienen U-Profile von 18cm Breite. Zusammen mit dem Einschalen der Wände können bei dieser Bauart bereits Arbeiten ausgeführt wrden, die sonst als Ausbauarbeiten erst nach der Herstellung des Rohbaus folgen. Das sind neben dem Einbau der Fenster- und Türzargen auch das Verlegen der Leitungen für die sanitäre Installation, für die Heizung und die elektrische Versorgung. So entfällt zum Beispiel das nachträgliche Schlitzen für Leitungen, da die Leerrohre auf einer Schalungstafel vorher befestigt und dann mit eingegossen werden. Durch die Eigenart der Bauweise ergab sich die Ausführung der Bauten im Taktarbeit. Die im Vergleich zu den üblichen Mauerwerksbauten sehr kurze Bauzeit ist offensichtlich auf die erforderliche Rationalisierung und Mechanisierung der Bauarbeiten zurückzuführen. Die Bauzeit der nach dem Schüttbeton-Verfahren errichteten Häuser liegt mit durchschnittlich 12 Wochen im Zeitbereich der Häuser aus Fertigteilen. Mit einer größeren Serie gleicher Haustypen steigt auch die Wirtschaftlichkeit des Bauverfahrens. Somit sind auch Hauspreis und Zeitablauf besser zu planen.


Diverse:


Die Bungalows am Stallagsweg waren ursprünglich auch in Schachbrettlage wie am Bahndamm geplant, aber wegen des Platzmangels hier wurden sie deswegen nur leicht versetzt in Reihe gebaut. Dadurch wurden auch die nun längeren Mauern benötigt. Die Innentrennwand zwischen Diele und Kellertreppe ist nachträglich mit Bimsbetonplatten gemauert worden. Die elektrischen Leitungen sind als Einzeldrähte in Leerrohren verlegt. Es gibt keinen extra Schutzleiter, da vermutlich aus Kostengründen dazu die Masseleitung mit benutzt wird.


Ursprünglich war die Eisenbahnstrecke von Köln nach Neuss ebenerdig und die Bahnübergänge an der Militäringstraße und am Stallagsweg waren so, wie heute noch in Weiler zu benutzen. Der Stallagsweg führte zu dieser Zeit geradeaus Richtung Lindweiler. Die Soldinger Straße dort, war der frühere Stallagsweg. Dann ab 1932 wurde die Bahnstrecke auf einen Bahndamm gelegt und wie bei der Militäringstraße, kreuzten die Straßen jetzt durch Unterführungen. Eine Abzweigestrecke sollte zum Rhein hin führen und hätte zwischen Langel und Rheinkassel den Rhein überquert. Diesem Verlauf folgt heute ein kleines Stück bis etwa Chorweiler Zentrum die S-Bahn. Auf jeden Fall wurde der Stallagsweg umgeleitet und durch eine dreiteilige Unterführung verlegt. Die verschiedenen Bahndämme zum Beispiel bei AF deren Reste noch heute zu erkennen sind, dienten dazu die Bahngleise kreuzungsfrei zusammenzuführen und die Streckenerhöhung Richtung Neuss war vieleicht für einen Ablaufberg vorgesehen. Ich nehme an, dass ähnlich wie bei Nippes ein allerdings kleinerer Rangierbahnhof entstehen sollte. Vermutlich haben andere Pläne nach dem Krieg den kompletten Weiterbau verhindert. Aber als Erinnerung an diese Planung führt der heutige Unnauer Weg unter zwei völlig überflüssigen Eisenbahnbrücken hindurch.

Für die Bürgerinitiative gegen die S-Bahn als Hochstrecke über den Bahndamm setzte sich ca. 1965/6 die Sprecherin Frau Schxxx ein, die am Bahndamm wohnte.


Während der Bauzeit 1964 wurden bei einem starken Sturm einige der Dachplatten weggeweht und zerstört, die aber vermutlich noch nicht richtig befestigt waren.


Den Mutterboden des Feldes auf dem AF errichtet wurde, hatte man als Erdhügel zwischengelagert, um ihn dann später den Bewohnern für ihren Garten zur Verfügung zu stellen. Einer dieser Hügel befand sich auf dem Kindergartenbauplatz.


Vieles was für uns heute in AF als selbstverständlich gesehen wird, ist zum Teil mit einer Satzung 1965 von der Stadt Köln beschlossen worden. So durften Dächer nicht mehr als 20° Dachneigung haben, Dachgauben waren unzulässig, und jede Wohnung, die nicht ebenerdig lag, sollte eine Loggia erhalten. Auch bei der farblichen Behandlung der Außenflächen gab es Vorgaben. Die Errichtung von Blechgaragen ist unzulässig. Die Stellplätze für die Mülleimer, üblich in Schränken war genau so bestimmt, wie die Abgrenzung der Gärten mit Zäunen oder Mauern (ohne Putz bis maximal 1,80m). Und auch wenn es gelegentlich vorkommt, ist die Verwendung von Zäune und Mauern in Vorgärten untersagt.


Der Bus der KVB hatte zur Anfangszeit seine Endstation am Kirmesplatz, zeitweise war die Wendestelle bei der Ärztehaus am Volkhovener-Weg, wo sich auch die Vorampel befindet. Später ist er dann bis zu einem anderen Wendepunkt durchgefahren.


Die beiden Hochspannungsleitungen, die an AF vorbeiführen haben eine Spannung von 110KV. (KV heißt KiloVolt / 1 KV entspricht 1000 V)


Das Trafohäuschen in der Pater Dionysius Straße dient hauptsächlich, aber nicht nur für AF. Die Eingangs-Mittelspannung von 10kV wird auf die üblichen 400 Volt Drehspannung beziehungsweise 230 Volt heruntertransformiert. Die Gesamtleistung beträgt 500 KVA das entspricht 500 000 Watt. So liefert das Trafohäuschen insgesamt über 2000 Ampere für die Haushalte. (Trafo heißt Transformator)





Eine Senkrecht-Luftaufnahme vom 29.4.1966 (1:15000)